Pferdezucht in Sachsen & Thüringen

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Der Pferdezuchtverband Sachsen-Thüringen e.V. stellt sich vor

Die Historie der Pferdezucht und der 100-jährigen Verbandsarbeit in Sachsen und Thüringen.

Im April 2005 verschmolzen die Pferdezüchter aus Sachsen und Thüringen zu einem Verband. Neben zahlreichen erfolgreichen Sportpferden, setzt der Nachwuchs Akzente.

Die Geschichte der Pferdezucht in dem Gebiet der heutigen Freistaaten Thüringen und Sachsen lässt sich durch schriftliche Berichte bis auf die Zeit um 510 zurückverfolgen. Als der Thüringer König Herminafrid heiratete, musste er dem Ostgotenkönig Theoderich als Kaufpreis für die Braut „thüringische Rosse von Silberfarbe“ übersenden. Im 8. Jahrhundert wurde bereits ein schwerer Pferdeschlag zur Zucht starker Ritterpferde verwendet. Es wird berichtet, dass die Spanier zu dieser Zeit neben edlen Pferden auch schwerere Pferde besessen hätten, welche auf der Grundlage von importierten Hengsten und Stuten aus Sachsen und Thüringen aufgebaut worden sei.

 Ungefähr ab dem Jahre 900 wurde die Zucht durch Gestütsgründungen der Herrscherhäuser geprägt, in der Anfangszeit vorrangig durch sogenannte Wildgestüte. Die größte Zahl der herrschaftlichen Gestüte entstand in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Dazu gehörten die Gestütsgründungen in Allstedt, Georgenthal, Hainleite, Salzungen, Altenstein, Neuhaus a. R, Rodach, Vessra, Wendelstein, Merseburg, Bleesern, Paudritzsch, Zella, Kalkreuth, Bohrschütz und Stolpen. Eine herausgehobene Bedeutung erlangte das 1722 durch den Sächsischen Kurfürst August den Starken neubegründete Hofgestüt Graditz mit den Vorwerken Repitz, Döhlen, Neu-Bläsern und Kreyschau. Die Hofgestüte bildeten bis nach dem Ende der Napoleonischen Kriege und der Landesteilung Sachsens im Ergebnis des Wiener Kongresses 1815 die Basis der Pferdezucht mit dem Vorrang für die fürstlichen Marställe. Erste Anfänge einer Landbeschälung begannen mit der Zurverfügungstellung von Hengsten der Hofgestüte für die Stuten der Bauern. In Sachsen wurde eine Landbeschälanstalt um 1800 in Annaburg bei Jessen errichtet. Mit der Teilung Sachsens und dem Verlust des Hofgestütes Graditz und des Landgestütes Annaburg an Preußen entschloss sich der sächsische König Anton im Jahre 1828 zur Etablierung eines Landgestütes in den Jagdstallungen des Schlosses Moritzburg. In den regional begrenzten Thüringer Fürstentümern und ab 1920 dem Freistaat Thüringen wurde die Landespferdezucht im Wesentlichen durch bäuerliche und später zunehmend genossenschaftliche Hengsthaltung abgesichert. Seit den 1920er Jahren dominierte diese Form der Hengstbereitstellung. Ab 1957 erfolgte auch für Thüringen der Einsatz von Landbeschälern für die Züchter im neubegründeten Landgestüt Stotternheim bei Erfurt, zunächst als Betriebsteil des Landgestütes Halle Kreuz, ab 1961 direkt über das Landgestüt Moritzburg. Seit 1994 beruht die Bereitstellung der Landbeschäler des Landgestütes Moritzburg für die Züchter im Freistaat Thüringen auf einer Verwaltungsvereinbarung. Darüber hinaus sind heute in Sachsen und Thüringen  passionierte Privathengsthalter mit einem breit aufgestellten qualitätsvollen Hengstangebot in die Verbandsarbeit eng integriert.

Im Jahre 1920 erfolgte die Gründung des „Landesverband Sächsischer Pferdezüchter“ und 1921 des „Landesverband der Pferdezüchter Thüringens“. Diese Verbände haben bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts das Niveau der Pferdezucht in den beiden Freistaaten bestimmt. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten mussten die Landesverbände aufgelöst werden und die neugegründeten „Pferdestammbücher“ wurden in den Reichsnährstand der Landesbauernschaften überführt.

Nach dem 2. Weltkrieg kam es erneut zur Zwangsauflösung der gerade wieder arbeitenden Verbände und Überführung in die staatliche Tierzuchtorganisation der DDR. Als Fachorgan wurde im Jahre 1969 die Zentralstelle für Pferdezucht gebildet und die Betreuung der thüringischen und sächsischen Züchter erfolgte von diesem Zeitpunkt an bis zum Ende der DDR über die Pferdezuchtdirektion Süd mit den Zuchtleitungen in Weimar und Dresden sowie der staatlichen Hengstbereitstellung über das damalige Hengstdepot Moritzburg. Lediglich die Ponyhengste befanden sich in Privathand.

Im Ergebnis der politischen Wende 1990 wurden auf demokratischer Grundlage nach dem Willen der Züchter die ehemaligen Pferdezuchtverbände neu gegründet. So entstand am 13.Juli 1990 der Verband Thüringer Pferdezüchter e. V. und am 14.Juli 1990 der Pferdezuchtverband Sachsen e. V., wobei die Verbände bereits damals in vielen Bereichen eng zusammenarbeiteten. Um die Möglichkeiten zum Wohle der Züchter zu bündeln, lag es nahe, die beiden Organisationen zu einem schlagkräftigen größeren Verband zu verschmelzen. Diese Verschmelzung zum Pferdezuchtverband Sachsen-Thüringen beschlossen die Züchter am 16.4.2005. Der heutige Verband verfügt bei genügender Größe über zeitgemäße Strukturen, die eine möglichst umfassende individuelle Betreuung jedes einzelnen Züchters gewährleisten können. Basis der Zuchtorganisation bilden ca. 4.000 Züchter, die in 30 regionalen Zuchtvereinen zusammenarbeiten. Für die spezifische Umsetzung der Zuchtprogramme der einzelnen Rassen wurden Rasseparlamente gebildet, in denen jeder Züchter ein Mitspracherecht hat. Im Verband verteilen sich derzeit ca. 5.000 Zuchtpferde auf 30 betreute Rassen. Die größte Population ist die des Deutschen Sportpferdes mit 1.200 Stuten, gefolgt von den Schweren Warmblütern mit ca. 900 Stuten. Es schließen sich an: 300 Kaltblüter, 400 Haflinger, 200 Reitponys und 1.000 Shetlandponys sowie 300 Stuten der Spezialpferderassen. Das Deutsche Sportpferd wird in der Zusammenarbeit der Arbeitsgemeinschaft der Süddeutschen Pferdezuchtverbände innerhalb eines gemeinsamen Zuchtprogrammes betreut.

Der Verband investiert viel in den Bereich der Jungzüchterförderung. Ausgezahlt hat sich das durch vielfache Erfolge zu nationalen und internationalen Wettbewerben. So konnte die Thüringer Mannschaft im Jahr 2004 sowohl den süddeutschen- als auch den bundesdeutschen Jungzüchterwettbewerb gewinnen. Die sächsischen Nachwuchszüchter siegten in den Jahren 2001, 2002 und 2004 beim süddeutschen Wettbewerb und konnten 2001 auch noch den von der World Breeding Federation of Sporthorses (WBFSH) ausgerichteten Jungzüchterwettbewerb in Verden gewinnen. Seit dem Jahr 2006 geht der Pferdezuchtverband Sachsen-Thüringen e. V. als gemeinsames Team an den Start und konnte neben diversen Deutschen Meistertiteln in den Jahren 2013, 2014 und 2019 auch einige Erfolge zu den Weltmeisterschaften in den Jahren 2011, 2015 und 2019 vorweisen. Des Weiteren zeigt sich der Verband stets bemüht den Züchternachwuchs aus ganz Deutschland im Zuchtgebiet zu versammeln, so wurde 2016 der Süddeutsche Jungzüchterwettbewerb in Moritzburg und 2018 der Bundesjungzüchterwettbewerb in Graditz veranstaltet. Dieses Potential an pferdebegeisterten jungen Menschen sollte in der Zukunft helfen, die Zucht im Lande in die Hände der heranwachsenden jüngeren Züchtergeneration legen zu können.

Die Züchter der Nachwuchstalente unter den Pferden erhalten punktuelle Unterstützung über einen Ausbildungsförderfonds des Pferdezuchtverbandes und die Fördervereine in Sachsen (SFP) sowie in Thüringen (TFP). Ziel ist es, talentierten Nachwuchspferden eine optimale Ausbildung und hochqualifizierten Beritt zu bieten. Gleichzeitig werden mit den Möglichkeiten der Fördervereine auch junge Reiter gefördert, die dann wiederum mit den Pferden aus dem Zuchtgebiet erfolgreich überregional vertreten sind.

Im Bereich der Veranstaltungen und Vermarktung arbeitet der Pferdezuchtverband Sachsen-Thüringen e. V. mit den in der Arbeitsgemeinschaft der Süddeutschen Pferdezuchtverbände zusammengeschlossenen Verbänden Baden-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz-Saar und Brandenburg-Anhalt eng zusammen. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit werden seit 2004 die süddeutschen Hengsttage in München mit großem Erfolg durchgeführt. Auch die jährlichen Reitpferdechampionate im süddeutschen Raum und die Fohlenauktionen an mehreren Orten sowie die Marbacher Reitpferdeauktionen werden von den Verbandsmitgliedern gern als Plattformen zur Präsentation und Vermarktung ihrer Pferde genutzt. Die Zusammenarbeit der Verbände hat sich in den vergangenen Jahren zum Wohle der Züchter ständig erweitert und umfasst heute auch gemeinsame Körungen für alle Rassen. In Eigenregie führt der Verband die regionalen Stutbuchaufnahmen, die Nachzuchtbewertungen und Fohlenschauen, die jährlichen Stuten- und Fohlenchampionate sowie die Leistungsprüfungen der Zuchtpferde durch. Als besonderen Höhepunkt veranstaltet der Verband seit 2003 gemeinsam mit der Sächsischen Gestütsverwaltung und dem Landesverband Pferdesport Sachsen das Bundeschampionat für die Schweren Warmblüter, seit 2005 das Deutsche Fahrponychampionat sowie seit 2019 das Bundeschampionat der Fahrpferde im August auf den Anlagen des Landgestütes. Ende November gilt die Aufmerksamkeit alljährlich den Körungen für die Junghengste der Rasse Sächsisch-Thüringisches Schweres Warmblut zu den Moritzburger Hengsttagen mit internationalen Gästen.

In der Zukunft werden die Themen Öffentlichkeitsarbeit, Vermarktung und Serviceleistungen noch breiteren Raum gewinnen. Dies erscheint notwendig, um dem steigenden Wettbewerbsdruck auf dem Pferdemarkt auch in Zukunft entsprechen zu können. Dann bleibt dieser Verband wie bisher für die Züchter attraktiv und bildet in Kontinuität die Heimat der Pferdezüchter aus Sachsen und Thüringen.